21. Dezember 2013

Ich habe zwei Kinder, ich habe keine Zeit zum Hassen – My beautiful country

Die Brücke am Ibar

Quelle


Ein paar Mal musste ich schon schlucken, aber bei dieser Szene schnürt es mir regelrecht die Kehle zu.

Nana ist höchstens sieben oder acht Jahre alt und bekommt von einem anderen Kind zu hören:
„Moj tata kaze da si ti siptarsko kopile.“ (Mein Vater sagt, Du bist ein albanischer Bastard).

„Ja ne znam sta to znaci“, sagt Nana. (Ich weiß nicht, was das heißt.)

Aus diesem Grund wird ihr und ihrer Mutter die Zuflucht in einem Keller verwehrt, als die NATO im Jahr 1999 wieder einmal einen Luftangriff im Kosovo startet.

Die serbische Nachbarin möchte keine Albaner mehr in ihrem Keller haben und schickt sie hinaus.

Es ist dunkel, alles ist grau, der Wind weht, die Sirene ist zu hören.
Nanas Mutter weiß nicht so recht wohin, aber Nana tanzt im Wind wie eine Ballerina, breitet ihre Arme aus und wirbelt herum. Sie weiß wohl auch nicht, was ein Luftangriff ist.


„Ah, ist das wieder so ein Film, in dem die Serben die Bösen sind?“, fragt mein Umfeld immer wieder.

Ich glaube nicht. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Michaela Kezele aus München ist das Kind einer Serbin und eines Kroaten und wenn man den FIlm gesehen hat, dann weiß man, dass es nicht um Gut oder Böse geht. Kommen böse Serben vor? Ja, gewiss.
Kommen gute Serben vor? Ja, gewiss.

Sind alle Albaner im Film die Opfer? Einige schon, andere schwören Rache und töten, aber es findet keine pauschale Zuweisung von Schuld statt.



neuepresse.de Kezele gewinnt Preis für Die Brücke am Ibar


Im Mittelpunkt scheint nicht einmal so sehr die zarte Liebesgeschichte zwischen der Serbin Danica (gespielt von der wunderbaren Zrinka Cvitesic, die schon in „Na putu/Zwischen uns das Paradies“ glänzte) und dem Kosovo-Albaner Ramiz (Misel Maticevic aus Berlin) zu stehen, sondern das Leben in einer menscheinfeindlichen Umgebung, die Uranmunition der NATO, die anfangs leugnet, radioaktive Abfallstoffe zu verwenden und die Zerrissenheit der Stadt Mitrovica, die durch den Fluss Ibar in zwei Teile geteilt wird, die wie Paralleluniversen nebeneinander existieren.

Serben und Albaner wagen sich jahrelang nicht auf die andere Seite.

Danica hat abgesehen von den wiederkehrenden Luftangriffen andere Probleme. Ihr Mann ist gestorben, der jüngste Sohn spricht seitdem nicht mehr, singt im Chor das Kinderlied „Najljepsa je zemlja moja“ (Mein Land ist das schönste) nicht mit (An dieses Kinderlied ist der Titel des Films angelehnt).

Der ältere Sohn Vlado schwänzt die Schule, raucht und stiehlt. 
Zu allem Überfluss schickt Belgrad keine Witwenrente mehr und dann findet sie noch einen verwundeten „Feind“ in ihrem Haus. Soll sie ihn ausliefern? Bringt sie sich und die Kinder in Gefahr? 



br.de / Ramiz und Danica



Wie bereits in ihrem ersten Film „Milan“, der richtig unter die Haut geht und als eine Art Schwesternfilm von „My beautiful country“ angesehen werden kann, da teilweise dieselben Schauspieler engagiert wurden, inszeniert Kezele „Die Brücke am Ibar“ als Antikriegsdrama, das die Grausamkeit des Konflikts auf der zivilen Ebene aufzeigt. 
Die Protagonisten Danica und Ramiz wagen das Unerhörte in einer Gesellschaft, die gerade dazu auffordert, ja verlangt, sich vom anderen abzuschotten und zu trennen und ich denke, das allein ist schon für Viele eine Provokation, aber warum sollte es nicht möglich sein?

Ich würde zu gerne wissen, wie viele Mischehen es derzeit im Kosovo gibt? Keine? Weil alle Paare einer MIschehe sicherlich geflohen sind. Wenn sie es nicht sind, sind sie tagtäglich bestimmt Anfeindungen ausgesetzt.

Ziemlich zu Ende des Films fragt Danicas Nachbarin, die einst Miss Pristina war: „Du musst sie doch auch hassen wie ich!?“

„Ich habe zwei Kinder.“, sagt Danica, „Ich habe keine Zeit zum Hassen.“ 


„My beautiful country“ hat zurecht zahlreiche Preise abgeräumt und läuft derzeit in ausgewählten Kinos.

In einer Nebenrolle ist der legendäre Bata Zivojinovic zu sehen. 

Fazit: Drama, das niemanden mit Herz kalt lässt, das dennoch auch einige Lacher bringt (Prostituierte, koje „ne puse“, mada je ocigledno cime se bave, nein die Deutschen haben den Witz nicht verstanden, da Original mit Untertiteln) und teils schaurig schöne Bilder. Unbedingt ansehen!



Trailer:



Radiointerview mit Michaela Kezele



Interview Misel Maticevic:


 

P. S.: Den Film haben übrigens eine Agnostikerin mit orthodoxen Eltern (meine Wenigkeit), eine Kroatin, die aus der Kirche ausgetreten ist und eine religions- und politikkritische Iranerin gesehen. Die 3 wieder „vereint“.


18. Dezember 2013

Fast schon vom Balkan abgewandt

Nachricht eines Lesers an mich

Heya Snježana,
ich habe mich die letzten Tage durch Deinen Blog und die Facebookseite geklickt und habe das Bedürfnis Dir ein paar Zeilen zu schreiben.

Vielleicht nur ganz kurz zu mir: Ich bin 71´er Jahrgang, in Wuppertal geboren und bin laut meinem Pass ein Kroate. Ich hatte bis zum Krieg keinen wirklichen Bezug zu meiner "Heimat". Natürlich sprachen wir zu Hause jugoslawisch und jedes Jahr war ich ich "unten" im Urlaub. Ich freute mich auch jedes mal meine große Familie wieder zu sehen. Während des Krieges war ein Teil dieser Familie in der Wohnung meiner Eltern als Flüchtlinge untergekommen. Ab diesem Zeitpunkt fing ich an ein sehr einseitiges und negatives Bild von den Serben zu zeichnen. Persönliche Erfahrungen vor und nach dem Krieg bekamen eine neuen Bedeutung und unterstrichen meine Einstellung.

Heute, etwas belesener und informierter, sieht das ganz anders aus. Ich stelle fest wie sehr im mich meiner Herkunft entfremdet habe, weil ich dieses ganze nationalistische Geseier einfach nicht mehr ertragen möchte. Und da schließe ich alle Nationen aus Ex-Jugoslawien mit ein. Ich kriege regelmäßig streit mit meinem Vater wenn er über Serben hetzt und kroatische Kriegsverbrecher als Volkshelden darstellt.

Ich denke, dass Du gut verstehst was ich meine, denn ich möchte mich nicht über meine Situation auslassen sondern etwas zu Dir und Deinem Blog bzw. Facebookseite schreiben.

In Deinem Blog schreibst Du Dinge die mir immer auf der Seele lagen, ja regelrecht brannten, ich aber zu müde oder zu resigniert war um sie auch in diesem Maße wie Du es tust auszusprechen. Deswegen möchte ich dass Du weißt, dass ich Dich für Deinen Mut und Durchhaltevermögen regelrecht bewundere, und es mich sehr freut dass jemand versucht die schönen, verrückten und urtümlichen Seiten dieser Nation(en) wieder aufzuzeigen.
Ich für meinen Teil hatte mich schon fast vom Balkan abgewendet. Zu sehr hat mich die Korruption, das Faschistoide und diese unglaubliche Uneinsichtigkeit der Leute abgestoßen. Um so mehr freut es mich dann sowas wie deinen Bog zu lesen.
Es tut mir in der Seele weh zu lesen, dass Du dafür auf das übelste beschimpft wirst und hoffe sehr dass Du dir eine dicke Haut hast wachsen lassen, an der sowas in Zukunft von dir abprallen wird. Es mag dir vielleicht nicht so erscheinen...aber was Du da tust ist wichtig und gut!

Ganz liebe Grüße i sve najbolje za Tebe i tvoju Familju.



D.

Was am schwersten war - Momentaufnahme


Mein Onkel Miro schrieb mir Karten vom Meer, große Hotels waren vorne abgebildet oder die glänzende Adria. Er hat ein gutes Herz.

Suncanih pozdrava schrieb er (sonnige Grüße).
Er war viel auf dem Bau unterwegs und reiste den Jobs quer durch Jugoslawien hinterher.
Er ist fleißig, sagt seine Schwester, meine Mutter.
500 kg Pflaumen und Zwetschgen haben sie an einem Tag vom Boden gesammelt.

Mein Onkel Miro trägt den Frieden (mir) in seinem Namen, aber der Frieden flüchtete vor dem Krieg und überließ Miro jahrelang der Gewalt.

Mein Onkel Miro liegt nun im Krankenhaus, wiegt keine 50 kg mehr.

Alkohol sagt meine Mutter Nada, die die Hoffnung in ihrem Namen trägt (Nada=Hoffnung).

„Warum trinkt er so viel?“, frage ich sie, „War er im Krieg an der Front?“

„An der vordersten“, sagt die Hoffnung, die keine Hoffnung mehr hat, dass der Frieden dem Alkohol entsagt.

„Er müsste zum Psychiater.“, merkt die Hoffnung an, „Aber du weißt wie die unten sind, die verstehen ihn nicht. Nur ich verstehe ihn, ich sage ihm immer, lass die Flasche. Aber dann starrt die Tuga (Trauer) aus seinen Augen und er sagt: Ich will ja, aber ich kann nicht vergessen. Weißt du, was am schwersten war, Hoffnung? Die Gedärme meiner Freunde auf dem Feld aufzusammeln, das war am schwersten.“

Milan - I do not know what you are fucking saying man. - Kako neznas?


Kurzfilm der Münchener Regisseurin Michaela Kezele.

Bewegend.

Links:

Grand Prix für Milan

Artikel auf ARTE


Spiegel





31. Oktober 2013

Religächerlich – Vergewaltigte Engel, jungfräuliche Geburten, Laufen über Wasser und sprechende Schlangen

Ist Religion es wert, in ihrem Namen zu töten?

Wäre der Krieg in Jugoslawien ausgebrochen, wenn alle Republiken dieselbe Religion gehabt hätten?

Wäre er unter Umständen anders verlaufen?

Ist Religion lächerlich?

Bill Maher, den ich sowieso liebe, präsentiert eine Doku, die provoziert, aber grundlegende Fragen aufwirft, Ungereimtheiten entlarvt und Religion sehr humorvoll hinterfragt.


Trailer:



Ganze Doku:




Bill Maher, jetzt liebe ich dich noch mehr.




30. Oktober 2013

„I am your bitch of the day“, sagt Jane Elliott...


 Wir saßen schön gemütlich zusammen und sprachen über Gott und die Welt und aus irgendeinem Grund landete die Konversation bei den Kindern und deren späteren Partnern.

Meine Gesprächspartner waren orthodox, sie haben zwei Söhne im Teenageralter.

„Und wenn Dragan sich in eine Moslemin verliebt? Würdest du das akzeptieren?“, fragte ich.
„Müsste ich wohl, aber ich würde ihm davon abraten.“
„Warum?“
„Erstens gibt es so viele Mädchen und zweitens muss das nicht sein, das gibt nur Probleme.“
„Welche Probleme?“, fragte ich nach.
„Na, sie haben dann verschiedene Religionen und man kann ja Konflikte im Voraus schon vermeiden, indem man es erst gar nicht soweit kommen lässt.“
Solche Unterhaltungen habe ich in meinem Bekannten- und Freundeskreis zu Genüge geführt und immer hieß es: „Ich bin kein Rassist, natürlich habe ich Freunde der anderen Religion.“ (Siehe Balkan burning).
Nun gut, mag ja sein, dass dies stimmt, aber ich erlebe es so oft, dass diese Art von Freundschaft ihre Grenzen hat. Wenn ich mich so umsehe, dann haben sagen wir 80 % der Menschen mit Wurzeln aus Exyu Partner, die derselben Religion angehören und viele davon schließen aus, es anders zu handhaben. Der Rassismus unter Exjugoslawen floriert und hat die meisten infiltriert, er wird versteckt und unterschwellig gelebt.
In letzter Zeit verfolge ich die Diskussionen um Flüchtlinge aus Afrika, die vor Italiens Küsten ertrinken oder die keiner so Recht im Land haben möchte. Die Schweiz präsentiert sich als äußerst rassistisch, die Schweizer kämpfen teilweise erbittert gegen neue Asylantenheime und auch Deutschland lässt verlauten, es tue seine Pflicht und nehme mehr Flüchtlinge auf, als Italien.
In Italien wurde ein deutscher Kapitän, der Ertrinkende vor Italien gerettet hat, der Schlepperei angeklagt. Juristisch wäre es also richtig gewesen, sie sterben zu lassen.
Wenn ich frage, wer von den Menschen aus Exju schon mal in Deutschland rassistisch behandelt wurde, dann kommen sehr wenige Stimmen und auch ich muss sagen, dass mir das bewusst nicht widerfahren ist. Das Traurige allerdings ist, dass die Serben, Kroaten, Bosnier oder wer auch immer schlimmere Rassisten sind, als ich es je in Deutschland erlebt habe, daher greife ich das Thema auf.
Sie diskriminieren sich untereinander, wie sie es von anderen sicher nie tolerieren würden und das obwohl sie per definitionem zur selben Rasse gehören (und da bringen auch die Diskussionen nichts, in denen es darum geht, welches Volk welches andere Gen hat und wer von wem abstammt und welche Marker einen Kroaten oder Serben ausmachen), aber leider kann man auch auf Basis der Volkszugehörigkeit und/oder Religion rassistisch sein (Beispiele Thompson & Baja Mali Knindza).
Ich möchte heute daher eine Frau vorstellen, die ich sehr bewundere und die Zeit ihres Lebens gegen Rassismus kämpft und eindrücklich zeigt, was Rassismus ist und wie er funktioniert.
 Sie heißt Jane Elliott. Im Jahr 1968, als Martin Luther King starb, musste die Lehrerin ihren Schülern erklären, warum er getötet wurde. Sie führte daraufhin ein Experiment durch und teilte ihre Schüler in die Gruppen „braune Augen“ und „blaue Augen“ ein, in der die Kinder mit den blauen Augen rassistisch behandelt wurden. Sie sagt, dass Menschen für ihre Hautfarbe nichts können, genauso wenig wie für ihre Augenfarbe und dass es daher keinen Sinn macht, sie auf Basis dessen zu diskriminieren. Wieso sollten wir also jemanden diskriminieren, weil er katholisch, moslemisch oder orthodox ist, man wird in eine Familie hineingeboren und niemand fragt einen, ob man diese Religion überhaupt möchte.
Jane hatte es in den darauffolgenden Jahren nicht einfach: Sie wurde als Negerliebchen beschimpft, ihre Kinder wurden gemobbt, ihr Vater verlor seinen Laden und seine Existenzgrundlage. In Antirassismus-Workshops wurde sie geschlagen, bedroht und sie erhielt immer wieder Morddrohungen, aber sie hat nie aufgehört für Gerechtigkeit zu kämpfen.

Sie hat das Experiment später auf Erwachsene ausgedehnt, um ihnen zu zeigen, wie sie sich fühlen, wenn sie diskriminiert werden. Viele haben nicht einmal zwei Stunden ausgehalten, was andere ihr gesamtes Leben lang auf ihren Schultern tragen müssen und haben den Workshop verlassen.
Ich kann euch nicht verdeutlichen, was mich so sehr an dieser Frau bewegt, seht euch die Dokus an, dann werdet ihr verstehen. Es werden grundsätzliche Fragen behandelt wie: Wie funktioniert die menschliche Psyche? Wieso ist Rassismus möglich? Bin ich schuld, wenn ich doch nichts getan habe? Wie rassistisch sind WIR aus Exju gegenüber den anderen? Wir doch nicht! Oder doch? Ein Teilnehmer ihres Workshops sagte: „Ich habe nicht das Gefühl, dass ein einzelner Mensch etwas ändern kann.“
„Wie viele Menschen sehen Sie vor sich?", fragte Jane....und sie hat viel verändert. Sehr viel.
 BLUE EYED - BLAUÄUGIG (Auf Deutsch)


Auf Youtube:  BROWN EYES-BLUE EYES (Engl.)



A class divided:



How racist are you really? Jane bei Oprah


Ausschnitt auf Deutsch:


Doku Blauäugig

Jane Elliott
 For the triumph of evil it´s enough that good men do nothing 



26. September 2013

Auffallend viele Kondome – a German girl in Bosnia


Dieses Jahr ist eine deutsche Freundin (aber nicht die erste) in das Haus meiner Eltern nach Bosnien gefahren, um uns alle zu besuchen. Mich interessiert es immer, was Deutsche so „sehen“, wie sie das Land empfinden und wie es ihnen gefällt.
Hier also ein kleiner Bericht meiner Freundin Carolin.
(Hi Caro :-))
1) Wieso bist du nach Bosnien gefahren?

Weil mich meine „älteste Freundin“ eingeladen hat.

Ich brauchte mal einen Tapetenwechsel und wollte auch etwas anderes erleben.

Mein Sohn sollte etwas von der Welt sehen.
Außerdem schien eine 10-stündige Busfahrt mit einem bosnischen Busunternehmen ein Abenteuer zu sein.

Ich glaube, Abenteuer trifft es ganz gut, da von den Fahrern niemand Deutsch sprach und aus 10 Stunden können je nach Lage an der Grenze auch mal schnell 17 Stunden werden.

Hinzu kommen seltsame Musikgeschmäcker der zwei Busfahrer, die während der Fahrt auch rauchen, obwohl das eigentlich verboten ist, die ganz hinten im Bus liegen und schlafen und laut schnarchen und einen bitten, eine Schachtel Zigaretten auf die eigene Kappe zu nehmen, weil derjenige selber zu viele dabei hat.

2) Wie hat dir Bosnien gefallen?

Bosnien hat mir sehr gut gefallen. Es ist ein wirklich schönes Land. Baulich und menschlich nicht mit Deutschland vergleichbar, obwohl die Landschaft aber ländlichen Gebieten in Deutschland ähnelt.


3) Was war anders, als du es dir vorgestellt hast?

Ich habe mir gar keine Vorstellungen gemacht. Aber es war das Schwimmbad.

Das Schwimmbad hatte bei 28/29 Grad schon zu, weil die Temperatur gefallen war und es zu kalt war! Staunen auf unserer Seite und Ausweichen auf den nächsten Fluss.

4) Was hat dir gefallen?

Traumhaft war unser Badetag. Super! Total idyllisch, einfach schön. (An einem Fluss, an dem früher eine alte Wassermühle stand. Im Fluss kreuchte und fleuchte es vor Fischen und Schlangen und anderem Getier. Zwei Männer angelten mit ihren Kindern und spießten die Fische auf Holzstäbe auf, um das Abendessen später nach Hause zu tragen.)

Auch das Fischlokal war super traumhaft. Der Kuhstall deiner Tante im Dorf war auch ein Highlight und die vielen verschiedenen Tiere waren ein Erlebnis (1. Abend).

Insgesamt haben wir 19 verschiedene Tierarten hautnah gesehen, für mein Kind war das wie ein Urlaub auf einem großen Bauernhof. (Von Ziege, Katze, Hund, Ente, Schwein, Kuh, Eidechse, Schlange, Meerschweinchen…war alles dabei. Meine Tante Mila hat einen ganzen Schuppen voller Meerschweinchen. Mein Cousin hat zwei von einer pijaca mitgebracht und das Pärchen war schon in freudiger Erwartung. Ziemlich bald vermehrten die sich wiederum und nun sitzt eine Horde Meerschweinchen im Raum, in dem das Fleisch geräuchert wird und quiekt vergnügt vor sich hin. „Hoces jednog? Nosi ih sve ako hoces. Sta ce mi?“, sagt meine Tante und hofft, dass ich sie von der Schweinchenplage erlöse.

Das Fischlokal besteht nur aus lose zusammengezimmerten Holzbrettern und liegt an einem Bach. Die Fische werden lebend aus einem Bottich geholt, getötet, saubergemacht und dann landen sie auf dem Grill. Dazu gibt es Krautsalat. Ein anderes Gericht gibt es nicht. Latte Macchiato auch nicht, dafür einen Kinderspielplatz, Hunde mit denen man spielen kann und einen Hamster in einem Hamsterkäfig in einer kleinen Bretterbude. Das Restaurant liegt abgeschieden auf einem Berg in der Nähe des Klosters Liplje. Uriger, natürlicher und gesünder geht´s nicht.



5) Was hat dich fasziniert?

Die Bienen deines Vaters, die Honigwaben und diese gelben Krümel.

Mein Papa ist Hobbyimker, besitzt mehrere Bienenvölker und stellt Honig und die dazugehörigen Nebenprodukte her. Die gelben Krümel, die meine Mama in einer großen Tupperdose aus dem Kühlschrank holte, sind einfach Blütenpollen, die an den Beinen der Bienen kleben bleiben und dann im Bienenstock abfallen und nicht verarbeitet werden. Es sind ganz kleine Kügelchen, von denen man jeden Tag einen Teelöffel essen sollte. Sie sind äußerst gesund. Die Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralien, Aminosäuren, Proteine, Enzyme und Coenzyme haben einzeln schon eine positive Wirkung auf den Menschen. In Kombination entfalten sie eine noch höhere Heilkraft. Es gab bereits erste klinische Studien, die belegen, dass reine Blütenpollen antibiotische, antiinflammatorische, immunstimulierende und antikanzerogene Eigenschaften haben. Auf gut Deutsch gesagt: sie bekämpfen Bakterien, helfen bei Entzündungen, regen das Immunsystem an und bekämpfen Krebs bzw. beugen diesem vor.




6) Was hat dir nicht so gefallen?

Dass jemand (also Sneki) mir vergessen hat zu sagen, dass 2 Leute Geburtstag haben/hatten in der Zeit und ich daher kein Geschenk hatte!

Es waren eigentlich vier! Duki, Daca, Goran und Vesna

7) Was ist dir besonders aufgefallen?

Dass mein Sohn ein Fototalent hat, das ich fördern will. Und das es auffällig viele Kondome in den Supermärkten gibt.

Was sagt das bei den Deutschen über die Bosnier aus? Was heißt auffällig viele? Warst du letztens mal im DM, gerade heute Morgen habe ich Dinge schön versteckt hinter einem Aufsteller gesehen, von denen ich hoffe, dass mein Sohn beim nächsten Einkauf nicht fragt, was das ist.

8) Wie hast du die Menschen dort empfunden?

Die Menschen sind einfach typische Südländer. Gastfreundlich, offen, liebenswert und auf jeden Fall auch ein Grund, warum ich die Einladung angenommen hab. Man gehört gleich zur Familie, da steh ich drauf.

9) Was hat dich schockiert?

Das Tierheim/ der Hundezwinger.


Dort haben wir auch „Wolle“ gefunden. Ist er nicht das Süßeste, seit es kleine Kuschelmonster gibt?




10) Was war unvergesslich?

Die Mutter an der Gedenkstätte und Wolle.

Im Dorf gibt es eine Art Gedenktafel, die an die Soldaten erinnert, die im Bosnienkrieg gefallen sind und die aus diesem Dorf stammen. Eines Abend sitzen wir In-Cafe (das einzige Cafe, in dem nur ältere Herren sonst sitzen und in dem sich einer lauthals beschwert, dass die österreichische Rente von 1000 Euro nicht reicht, immerhin habe er sich die Gesundheit kaputt gemacht, weil er Straßen um Wien geteert habe (pizda im materina hitlerovska…). Er flucht so derb und extrem laut, dass der Hund aufsteht und sich woanders hinlegt. Auf jeden Fall kam eine ältere Frau ganz in Schwarz an die Tafel, legte ihre Hand auf das eingravierte Gesicht ihres Sohnes und fing zu klagen und zu weinen an. Wir kamen ins Gespräch, weil Caro das Denkmal gerade fotografierte und dann fing zu erzählen an. Sie sagt, sie dachte, sie würde den Tod ihres Sohnes nicht überleben, er war doch erst 21 und der Jüngste (auch ein Drazen). Aber sie sei noch hier, nach 20 Jahren, genauso wie der Schmerz.

Dann putzte sie den Stein mit ihren bloßen Händen, entschuldigte sich bei ihrem Sohn, dass sie kein Taschentuch hat und sagte: „Ajde sine, lepi moj, zbogom, sutra ce mama opet doci.“

(Also, mein Sohn, leb Wohl, morgen kommt Mama wieder.)

„Er hat immer gesagt: Mama, weine nicht, ich komme doch wieder von der Front,“ sagte sie mir, „aber dann kam er nicht wieder.“ Und dann ging sie fort.


11) Würdest du wieder hinfahren?

Ja, ich würde gern mehr von Bosnien sehen.