Und mit jedem Herzschlag...........mit jedem Herzschlag........weiß ich, dass du da bist.
Ich kann nicht über heiße Kohlen laufen
Ich kann nicht über Wasser gehen
Doch ich kann fühlen wenn du da bist
Ohne hin zu sehen
Sag jetzt keinen Ton - denn ich fühle dich schon
Ich fühle dich schon
[Refrain:]
Du bist nur einen Herzschlag entfernt
Auch wenn ich dich aus den Augen verlier
Bist Du nur einen Herzschlag entfernt
Warum bin ich nicht immer auch bei dir
Ich kann nicht aufhören zu staunen
Weil du mich immer so bewegst
Ich kann nicht aufhören zu glauben
Das du gerade neben mir stehst
Auch wenn es nicht so scheint
Ich würd gern immer bei dir sein
Immer bei dir sein
Ich hab so viel von dir gelernt
Denn du hast mich nicht aufgegeben
In deinen Händen schlägt mein Herz
Ich hab es endlich eingesehen
Endlich eingesehen
Du bist nur einen Herzschlag entfernt
Auch wenn ich dich aus den Augen verlier
Bist Du nur einen Herzschlag entfernt
Warum bin ich nicht immer auch bei dir (Immer auch bei dir)
Du bist nur einen Herzschlag entfernt
Auch wenn ich dich aus den Augen verlier (Augen verliere)
Bist Du nur einen Herzschlag entfernt
Warum bin ich nicht immer auch bei dir (Warum bin ich nicht immer auch bei dir)
Letzte Woche hörte dein Herz
einfach auf zu schlagen. Immer hatte ich Angst vor diesem Tag gehabt, an dem
das Telefon klingelt und mir eine Stimme sagt, dass du tot bist. Und dann kam
er und jetzt ist alles noch schlimmer, als ich es mir je ausgemalt hätte.
Ich fühle keine Trauer, ich
bin Trauer, meine Knochen sind schwarz vor Trauer, meine Haut hüllt sich in
Grau, meine Arme und Beine gehorchen mir nicht und meine Stimme möchte nicht
sprechen, meine Finger möchten nicht tippen, denn keine Buchstaben und keine
Worte in keiner Sprache der Welt könnten auch nur annähernd übermitteln, was
ich fühle. Fühle ich überhaupt?
Dass ich das hier schreiben
muss, um nicht vor Schmerz ohnmächtig zu werden, das tut schon genug weh,
schreibe ich das wirklich? Kommst du wirklich nicht wieder?
Nein, das gilt nur für
andere Menschen, nur andere Menschen sterben, in Filmen und Serien, aber du
nicht.
Ja, ich sah dich dort
liegen, mit geschlossenen Lidern, wunderschön sahst du aus. Friedlich sagte
meine Schwester. Ein wenig traurig, dachte ich, als ob du nicht gehen wolltest.
Ja, ich hielt deine Hand die ganze Nacht lang bis ich vor Erschöpfung kurz
einschlief. Ja, ich habe deine Stirn geküsst und dich liebkost, wie eine Mutter
ihr Kind, das alles falsch macht, aber trotzdem bedingungslos geliebt wird. Und
erst da in diesem wahnsinnigen Moment begriff ich, was Liebe ist. Begriff ich
dich und dein Leben. Begriff, was dir wichtig war.
Ich vergesse immer wieder,
was ich schreiben will und worauf ich hinaus will, ich weiß nicht einmal, wie
ich diesen Text beenden soll, geschweigedenn diesen Tag oder diese Woche...alles
ist eingefroren und blockiert in mir, fühle mich vom Leben
betrogen...hilflos....verzweifelt..........allein. Ein Teil von mir fehlt jetzt
und erst jetzt sehe ich, welches Band zwischen uns vorhanden war, wie sehr du
mich geliebt haben musst...Immer hast du gesagt: Warte, eines Tages wirst du
auch Kinder haben, dann wirst du verstehen.
Auf dem Tisch liegt der
Kaufvertrag meines ersten Autos, du hast es mir gekauft. Das Auto gehört uns
seit 1999 nicht mehr, aber du hast den Vertrag noch. Du hast meine Zeugnisse
kopiert und Mamas Mutterpass aus dem Jahr 1978 aufgehoben, als sie mit mir schwanger war. Wenn
man bedenkt, dass du nie viel geredet hast, nie gestritten und Gefühle schwer
zeigen konntest, dann bedeutet das sehr viel, dass du das alles in Klarsichthüllen vor der Zeit retten wolltest und die Hüllen zugetackert hast, damit du ja auhc nichts verlierst. Ein Personalausweis deiner Mutter war noch darin, Familienfotos und die Medaille, die Tito dir in den 60-ern überreicht hat. Du hast die Zeitschrift gekauft, für die ich arbeite und hast meinen Namen im Impressum markiert, so stolz warst du.....ich kann gut meckern, aber habe ich dir je gesagt, was ich toll an dir finde? HABE ICH ES JE?
Wie oft wolltest du SIlvester mit uns feiern oder Weihnachten und ich hatte immer andere Pläne, alles war wichtiger, von New York, Brasilien bis Amsterdam und Co. Wie oft hast du dir gewünscht, ich käme nach Bosnien im Urlaub und ich bin wieder nicht gekommen. In den 12 Jahren deiner Rente war ich höchstens 5 Mal bei dir.....5 Mal in 12 Jahren..... nur 5 Mal............und du hast geschwiegen und mir nie einen Vorwurf gemacht. Oft mit mir geredet, aber mir nie Vorwürfe gemacht....
Ich wünschte, ich könnte
einmal weinen und dann nie wieder, denn jeder Zentimeter meines Körpers hat
Angst. Angst, dass die Zeit eben nie heilt, dass die Tränen immer fließen, wenn
ich dein Foto sehe, wenn ich an deine Augen denke. Warum habe ich dir nicht
öfter gesagt, wie sehr ich dich liebe? Damit du es auch ganz sicher weißt und
für immer in der Seele speicherst, so dass dich meine Liebe durch fremde Welten
trägt, wo noch kein lebender Mensch je war, damit du nicht frierst, denn du
magst Kälte nicht. Ich wünschte, ich könnte dir sagen, dass ich dir alles verziehen
habe, das mich früher gestört hat und dich bitten, mir alles zu vergeben, das
dich je verletzt haben könnte.
Seit deinem Tod, Papa,
seitdem bin ich ein anderer Mensch. Ich kann nie wieder sein, wer ich war, denn
in diesem Moment.......als ich diese Worte hörte wie in einem bösen
Alptraum.....in diesem Moment..fiel alles Böse, das noch an mir haftete
ab....es fiel ab wie trockener Schmutz, alles, das mich kleinlich, neidisch,
hart, gemein oder negativ macht......löste sich in Luft auf und es blieb der Schmerz,
der mein Herz so fest umklammert, dass ich ab und an denke: Ja, man kann an
gebrochenem Herzen sterben..kein Zweifel.
Es war nicht immer leicht
zwischen uns mein Herz, mein Vater, meine Liebe, mein Held. Wann habe ich
einmal an dich gedacht und wie du dich fühlst? Als Kind denkt man immer nur an
sich, man sieht nur das Schlechte an den Eltern und ich sehe jetzt nur einen
Menschen, der sein ganzes Leben lang auf der Suche nach Liebe war, dem sein
Herz gebrochen wurde, lange bevor er erwachsen war.
Wie doof fand ich es, dass
wir daheim „Jugoslawisch“ sprechen mussten, wie doof fand ich deine
übertriebene Pünktlichkeit, wie doof fand ich es, dass ich Akkordeon spielen
musste. Heute bin ich dankbar, dass ich „Jugoslawisch“ kann, heute weiß ich,
dass du in Jahrzehnten nie zu spät zur Arbeit gekommen bist und dir deine
Akkordeonstunden selbst verdienen musstest. Heute weiß ich, dass du deine „curice“
geliebt hast, nein liebst, dass du uns immer beschützen wolltest und wohl oft
verzweifelt gewesen sein musst, wie stur ich war.
Wie oft habe ich dich für
emotionslos gehalten, dabei gingst du aus dem Zimmer, an dem Tag als mein
Sohn geboren wurde, denn du wolltest nicht, dass ich deine Freudentränen sehe,
du hast allein vor der Türe geweint.
Aber weißt du, wie das ist
mit der Liebe? Sie muss keinen Sinn ergeben und für andere auch nicht
nachvollziehbar sein oder logisch. Das ist sie eben, man liebt oder eben nicht.
Und es spielt keine Rolle, ob man alles richtig gemacht hat, es zählt nur, dass
man es richtig machen wollte und das wolltest du. Du hast meine Hand auch noch
gehalten, als ich über 30 war....Ich liebe dich mit einer Inbrunst, die mich
zwingt, an ein Leben nach dem Tod zu glauben, wie sonst könnte ich weitermachen
ohne dich?
Ich muss hoffen, dass du
mich eines Tages mit offenen Armen erwartest und dass ich dann Zuhause bin,
denn ohne dich gibt es kein irdisches Daheim mehr. Es ist, als ob meine Essenz
fehlt, mein Innerstes, mein Kern. Ich bin nichts mehr als eine Hülle, die so
leblos durch die Wohnung und die Stadt schweift. Ab und an reißt mich etwas aus
den Gedanken, kurzzeitig kann ich auch lachen, aber dann fallen Tonnen an
Granit auf meine Brust und ich weiß, du kommst nicht zurück und gehst nie
wieder angeln mit mir, nennst mich nie mehr „Milla“.
Jedes Haar habe ich in
deinem Gesicht betrachtet, um es mir einzuprägen, deine kalten Hände mit meinen
Tränen benetzt. Nemoj suze na njega, sagten die alten Frauen in unserem Haus.
Lass nicht die Tränen auf ihn tropfen...
Wenn es nur die Tränen wären....ja
es mag abgedroschen klingen, aber ein Teil meiner Selbst ging mit dir.
Die Orthodoxen sagen ja, die
Seele wandert noch 4o Tage auf der Erde herum, bevor sie uns verlässt.
Was sollst du wissen, bevor deine Seele geht? Du
sollst wissen, dass es keinen Moment gab, in dem ich aufgehört hätte, dich so
innig zu lieben, wie es nur möglich ist. Ich habe dich bewundert, als kleines
Mädchen war ich verliebt in dich, du und Elvis wart die schönsten Männer auf
der Welt und es gab keinen sichereren Platz auf diesem jetzt so gottverdammt
einsamen Planeten als auf deinem Schoß an deine Brust geschmiegt. Du sollst
wissen, dass ich jeden Tag meiner 35 Jahre opfern würde, damit du noch einen
Tag leben kannst, ich würde dir mein Herz geben und dein krankes nehmen. Du
sollst wissen, dass du nie etwas getan hast, dass meine Liebe hätte schmälern
können. Ich bin Mutter, ich weiß, auch Eltern haben Angst, dass sie bei ihren
Kindern etwas falsch machen...Wenn ich dich ansah, sah ich auch nur ein Kind,
das über Berge und durch Täler gelaufen ist, um bei den Menschen zu sein, die
es braucht. Wie hast du dich damals nur gefühlt, du sagtest, da hast du zum
ersten Mal gespürt, dass dein Herz weh tut.
Hätte ich dich nur
beschützen können, mein Schatz...hätte ich dir nur noch einmal sagen können:
ich bin stolz auf dich..ich brauche dich.....
Dieser Brief kommt mir so
schäbig vor und schlecht, weil auch er dir nie vermitteln können wird, welche
Leere in mir herrscht und wie sehr es schmerzt.
Ich tue mein Bestes und gehe
auch mal raus, aber dann sehe ich dein Foto auf meinem Telefon und der Schmerz tritt
durch die Augen, nimmt die Abkürzung direkt ins Herz, windet sich durch die
kleinsten Lücken und bohrt sich dann so tief hinein, dass die gesamte
Verzweiflung der Menschheit sich auf mich legt wie eine abgrundtiefe
Gewissheit, dass diese Lücke nichts jemals füllen können wird.
So viel hätte ich dir noch
zu sagen.......aber mir fehlen die Worte, genauso wie du mir fehlen wirst,
solange ich lebe. Du hast immer einen Platz in meinem Herzen eigenommen, wo niemand
je hingekommen ist und nie hinkommen wird, der Platz, der nur für
Teddybärenpapas mit graugrünen Augen reserviert ist.
Denn in dem Moment, als ich
den Telefonanruf erhielt, da hörte mein Herz irgendwie auch auf zu schlagen....Am
schlimmsten war der Moment, als sie den Sarg schlossen. Die Sonne hatte auf
dein Gesicht geschienen, es war warm, die Vögel zwitscherten und dann folgte
noch ein schlimmster Augenblick, ach.........jeder Augenblick war der
schlimmste.......sie ließen deinen Sarg in die Erde hinab und ich war so tot,
dass ich nicht einmal weinen konnte.
Dann plötzlich fing es zu
regnen an, als die Erde das Grab verschlossen hatte, als ob du sagen wolltest:
jetzt geht essen und weint nicht um mich. Nie hast du gejammert, wenn du schlimm krank warst. Nie hast du dich beschwert.
Wie durch Zauberhand hörte
es kurz darauf auf zu regnen und genau vor uns erschien ein Regenbogen.
Ich sah ihn, aber mein seelisches
Herz schlug nicht mehr.
Ich stand 2 Tage später an
deinem Geburtstag an deinem Grab und brachte dir Geschenke. Gibt es einen schwereren Gang? Wie sollte es da
nicht aufhören, zu schlagen, ljubavi moja?
Ein paar Mal musste ich schon schlucken, aber bei dieser Szene schnürt es mir regelrecht die Kehle zu.
Nana ist höchstens sieben oder acht Jahre alt und bekommt von einem anderen Kind zu hören: „Moj tata kaze da si ti siptarsko kopile.“ (Mein Vater sagt, Du bist ein albanischer Bastard).
„Ja ne znam sta to znaci“, sagt Nana. (Ich weiß nicht, was das heißt.)
Aus diesem Grund wird ihr und ihrer Mutter die Zuflucht in einem Keller verwehrt, als die NATO im Jahr 1999 wieder einmal einen Luftangriff im Kosovo startet.
Die serbische Nachbarin möchte keine Albaner mehr in ihrem Keller haben und schickt sie hinaus.
Es ist dunkel, alles ist grau, der Wind weht, die Sirene ist zu hören. Nanas Mutter weiß nicht so recht wohin, aber Nana tanzt im Wind wie eine Ballerina, breitet ihre Arme aus und wirbelt herum. Sie weiß wohl auch nicht, was ein Luftangriff ist.
„Ah, ist das wieder so ein Film, in dem die Serben die Bösen sind?“, fragt mein Umfeld immer wieder.
Ich glaube nicht. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Michaela Kezele aus München ist das Kind einer Serbin und eines Kroaten und wenn man den FIlm gesehen hat, dann weiß man, dass es nicht um Gut oder Böse geht. Kommen böse Serben vor? Ja, gewiss. Kommen gute Serben vor? Ja, gewiss.
Sind alle Albaner im Film die Opfer? Einige schon, andere schwören Rache und töten, aber es findet keine pauschale Zuweisung von Schuld statt.
neuepresse.de Kezele gewinnt Preis für Die Brücke am Ibar
Im Mittelpunkt scheint nicht einmal so sehr die zarte Liebesgeschichte zwischen der Serbin Danica (gespielt von der wunderbaren Zrinka Cvitesic, die schon in „Na putu/Zwischen uns das Paradies“ glänzte) und dem Kosovo-Albaner Ramiz (Misel Maticevic aus Berlin) zu stehen, sondern das Leben in einer menscheinfeindlichen Umgebung, die Uranmunition der NATO, die anfangs leugnet, radioaktive Abfallstoffe zu verwenden und die Zerrissenheit der Stadt Mitrovica, die durch den Fluss Ibar in zwei Teile geteilt wird, die wie Paralleluniversen nebeneinander existieren.
Serben und Albaner wagen sich jahrelang nicht auf die andere Seite.
Danica hat abgesehen von den wiederkehrenden Luftangriffen andere Probleme. Ihr Mann ist gestorben, der jüngste Sohn spricht seitdem nicht mehr, singt im Chor das Kinderlied „Najljepsa je zemlja moja“ (Mein Land ist das schönste) nicht mit (An dieses Kinderlied ist der Titel des Films angelehnt).
Der ältere Sohn Vlado schwänzt die Schule, raucht und stiehlt. Zu allem Überfluss schickt Belgrad keine Witwenrente mehr und dann findet sie noch einen verwundeten „Feind“ in ihrem Haus. Soll sie ihn ausliefern? Bringt sie sich und die Kinder in Gefahr?
br.de / Ramiz und Danica
Wie bereits in ihrem ersten Film „Milan“, der richtig unter die Haut geht und als eine Art Schwesternfilm von „My beautiful country“ angesehen werden kann, da teilweise dieselben Schauspieler engagiert wurden, inszeniert Kezele „Die Brücke am Ibar“ als Antikriegsdrama, das die Grausamkeit des Konflikts auf der zivilen Ebene aufzeigt. Die Protagonisten Danica und Ramiz wagen das Unerhörte in einer Gesellschaft, die gerade dazu auffordert, ja verlangt, sich vom anderen abzuschotten und zu trennen und ich denke, das allein ist schon für Viele eine Provokation, aber warum sollte es nicht möglich sein?
Ich würde zu gerne wissen, wie viele Mischehen es derzeit im Kosovo gibt? Keine? Weil alle Paare einer MIschehe sicherlich geflohen sind. Wenn sie es nicht sind, sind sie tagtäglich bestimmt Anfeindungen ausgesetzt.
Ziemlich zu Ende des Films fragt Danicas Nachbarin, die einst Miss Pristina war: „Du musst sie doch auch hassen wie ich!?“
„Ich habe zwei Kinder.“, sagt Danica, „Ich habe keine Zeit zum Hassen.“
„My beautiful country“ hat zurecht zahlreiche Preise abgeräumt und läuft derzeit in ausgewählten Kinos.
In einer Nebenrolle ist der legendäre Bata Zivojinovic zu sehen.
Fazit: Drama, das niemanden mit Herz kalt lässt, das dennoch auch einige Lacher bringt (Prostituierte, koje „ne puse“, mada je ocigledno cime se bave, nein die Deutschen haben den Witz nicht verstanden, da Original mit Untertiteln) und teils schaurig schöne Bilder. Unbedingt ansehen!
P. S.: Den Film haben übrigens eine Agnostikerin mit orthodoxen Eltern (meine Wenigkeit), eine Kroatin, die aus der Kirche ausgetreten ist und eine religions- und politikkritische Iranerin gesehen. Die 3 wieder „vereint“.
Nachricht eines Lesers an mich Heya Snježana, ich habe mich die letzten Tage durch Deinen Blog
und die Facebookseite geklickt und habe das Bedürfnis Dir ein paar
Zeilen zu schreiben. Vielleicht nur ganz kurz zu mir: Ich bin
71´er Jahrgang, in Wuppertal geboren und bin laut meinem Pass ein
Kroate. Ich hatte bis zum Krieg keinen wirklichen Bezug zu meiner
"Heimat". Natürlich sprachen wir zu Hause jugoslawisch und jedes Jahr
war ich ich "unten" im Urlaub. Ich freute mich auch jedes mal meine
große Familie wieder zu sehen. Während des Krieges war ein Teil dieser
Familie in der Wohnung meiner Eltern als Flüchtlinge untergekommen. Ab
diesem Zeitpunkt fing ich an ein sehr einseitiges und negatives Bild von
den Serben zu zeichnen. Persönliche Erfahrungen vor und nach dem Krieg
bekamen eine neuen Bedeutung und unterstrichen meine Einstellung.
Heute, etwas belesener und informierter, sieht das ganz anders aus. Ich
stelle fest wie sehr im mich meiner Herkunft entfremdet habe, weil ich
dieses ganze nationalistische Geseier einfach nicht mehr ertragen
möchte. Und da schließe ich alle Nationen aus Ex-Jugoslawien mit ein.
Ich kriege regelmäßig streit mit meinem Vater wenn er über Serben hetzt
und kroatische Kriegsverbrecher als Volkshelden darstellt. Ich
denke, dass Du gut verstehst was ich meine, denn ich möchte mich nicht
über meine Situation auslassen sondern etwas zu Dir und Deinem Blog bzw.
Facebookseite schreiben. In Deinem Blog schreibst Du Dinge die
mir immer auf der Seele lagen, ja regelrecht brannten, ich aber zu müde
oder zu resigniert war um sie auch in diesem Maße wie Du es tust
auszusprechen. Deswegen möchte ich dass Du weißt, dass ich Dich für
Deinen Mut und Durchhaltevermögen regelrecht bewundere, und es mich sehr
freut dass jemand versucht die schönen, verrückten und urtümlichen
Seiten dieser Nation(en) wieder aufzuzeigen. Ich für meinen Teil
hatte mich schon fast vom Balkan abgewendet. Zu sehr hat mich die
Korruption, das Faschistoide und diese unglaubliche Uneinsichtigkeit der
Leute abgestoßen. Um so mehr freut es mich dann sowas wie deinen Bog zu
lesen. Es tut mir in der Seele weh zu lesen, dass Du dafür auf das
übelste beschimpft wirst und hoffe sehr dass Du dir eine dicke Haut hast
wachsen lassen, an der sowas in Zukunft von dir abprallen wird. Es mag
dir vielleicht nicht so erscheinen...aber was Du da tust ist wichtig und
gut! Ganz liebe Grüße i sve najbolje za Tebe i tvoju Familju.
Mein Onkel Miro schrieb mir Karten vom Meer, große Hotels waren vorne abgebildet oder die glänzende Adria. Er hat ein gutes Herz. Suncanih pozdrava schrieb er (sonnige Grüße). Er war viel auf dem Bau unterwegs und reiste den Jobs quer durch Jugoslawien hinterher. Er ist fleißig, sagt seine Schwester, meine Mutter. 500 kg Pflaumen und Zwetschgen haben sie an einem Tag vom Boden gesammelt. Mein Onkel Miro trägt den Frieden (mir) in seinem Namen, aber der Frieden flüchtete vor dem Krieg und überließ Miro jahrelang der Gewalt. Mein Onkel Miro liegt nun im Krankenhaus, wiegt keine 50 kg mehr. Alkohol sagt meine Mutter Nada, die die Hoffnung in ihrem Namen trägt (Nada=Hoffnung). „Warum trinkt er so viel?“, frage ich sie, „War er im Krieg an der Front?“ „An der vordersten“, sagt die Hoffnung, die keine Hoffnung mehr hat, dass der Frieden dem Alkohol entsagt. „Er müsste zum Psychiater.“, merkt die Hoffnung an, „Aber du weißt wie die unten sind, die verstehen ihn nicht. Nur ich verstehe ihn, ich sage ihm immer, lass die Flasche. Aber dann starrt die Tuga (Trauer) aus seinen Augen und er sagt: Ich will ja, aber ich kann nicht vergessen. Weißt du, was am schwersten war, Hoffnung? Die Gedärme meiner Freunde auf dem Feld aufzusammeln, das war am schwersten.“
Wäre der Krieg in Jugoslawien ausgebrochen, wenn alle Republiken dieselbe Religion gehabt hätten?
Wäre er unter Umständen anders verlaufen?
Ist Religion lächerlich?
Bill Maher, den ich sowieso liebe, präsentiert eine Doku, die provoziert, aber grundlegende Fragen aufwirft, Ungereimtheiten entlarvt und Religion sehr humorvoll hinterfragt.